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Krankenhilfe
Damaskus
Seit 2006
unterstützt die Kommunität die Einrichtung einer Sozialstation in Altstadt
von Damaskus. Es gibt in Syrien für die meisten Leute keine bezahlbare
Krankenversicherung. In der St. Kyrillgemeinde in Damaskus, die von den
Basilianerpatres geleitet wird, sollen kranke und pflegebedürftige
Menschen unterstützt werden.
Koordinatoren für das
Damaskusprojekt: Anja Loosen, Peter Rötzel
Konzert zum
75-jährige Jubiläum St. Kyrill/Damaskus
Eine Sozialstation in Damaskus - Mit wenig kann
man viel bewirken*
Wie
bereits in früheren Ausgaben der Perspektiven berichtet, unterstützt
das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. mit einem
Entwicklungsprojekt den Aufbau einer Sozialstation in Damaskus. Im
Gespräch mit den Perspektiven erläuterte der Projektleiter Prof. Dr.
Heribert W. Gärtner den Hintergrund des Projektes und die Situation vor
Ort.
Wenn man die Anlässe zu Projekten untersucht, gibt es vielfach ein ganzes
Bündel von Motiven, so auch hier. Auslöser waren eine Einladung nach
Syrien und zwei Heilige: Kosmas und Damian. Prof. Gärtner hat sich schon
länger mit der Geschichte der
beiden Patrone des Fachbereichs
Gesundheitswesen der Katholischen Fachhochschule NW befasst. Die beiden
nordsyrischen Heiler wirkten an der Schwelle vom dritten zum vierten
Jahrhundert. Das Besondere an Ihnen ist: Sie übten die Heilkunde aus und
sie taten dies umsonst. Damit bewegen sie sich auf der Spur des
Heilhandelns Jesu und verweisen auf die therapeutische Verwurzelung des
Christentums.
Eingeladen haben ihn Patres des Basilianer-Ordens, die in der Altstadt von
Damaskus ein Kloster haben und dort eine
Gemeinde betreuen. Von dort aus
fuhr im Herbst 2006 die kleine Reisegruppe durch ganz Syrien, um die
Begräbnisstätte von Kosmas und Damian zu besuchen und die Landschaft zu
sehen, wo beide vor hunderten von Jahren wirkten. Die Reise durch die
Wüste und milde Olivenbaumhaine wirkte nach. Die konkrete Situation
kranker und pflegbedürftiger Menschen, die nicht durch Versicherungen
abgesichert sind, tat das ihre. So entstand bei einem Frühstück die Idee
in der Pfarrei der Patres in der Altstadt von Damaskus eine Sozialstation
zu gründen. Mit überschaubaren Mitteln lässt sich viel bewirken. Das
Gehalt einer Krankenschwester ist z.B. vergleichsweise günstig, kostet sie
doch 200 Dollar im Monat.
Im März 2007 besuchten Heribert Gärtner und Peter Rötzel Damaskus und den
syrischen Projektleiter Dr. Josef Laijn, um den Fortgang der Idee zum
Projekt zu begleiten. Die beiden Deutschen lernten eine scheinbare
Trivialität: Bedarfe und Hilfesysteme
sind kultur- und
gesellschaftsabhängig. Es braucht weniger die Krankenschwester, die
kontinuierlich in den Wohnungen und Häusern Pflege leistet. Vielmehr
braucht es in einem Fall die Krankenschwester, im anderen den
Krankengymnasten, im dritten die Nachsorge nach einer OP. Das Projekt hat
den Charakter eines echten interkulturellen Austauschs; beide
Projektpartner lernen voneinander. Die Koordination der individuellen
Hilfemaßnahmen erfolgt durch eine Gruppe von
fünf Personen unter der
Leitung von Dr. Pater Lajin. Was in Damaskus unter dem Label
„Sozialstation“ praktiziert wird, hat viel von der Tätigkeit der
Gemeindeschwester, die wir aus den 70-er Jahren noch kennen. Bei der Reise
im März besuchte die deutsche Gruppe zusammen mit den Patres auch den
Patriarchen von Damaskus, Gregor III, und berichteten über das Projekt.
Für die orientalischen Kirchen ist das diakonische Engagement weniger in
der Tradition verankert, als
dies bei den Westkirchen der Fall ist. Die
Idee der Sozialstation reiht sich ein in die Bemühungen, auf der Spur von Kosmas und Damian diese Art des „heilenden Kirche-Seins“ zu realisieren.
Bisher wurden ca. 20 000 Euro gespendet, die für die Projektentwicklung
und vor allem für die Hilfe im Einzelfall verwendet werden. Die
Projektidee geht ihren orientalischen Gang, welchen auch sonst; und die
Mittel kommen an bei den Menschen, die Hilfe brauchen.

Aber auch im eigenen Umfeld – so nimmt es Prof. Gärtner wahr – ist die
Bezugnahme auf das selbstlose Wirken zweier Heiliger wie Kosmas und Damian
eine Provokation. In einer Zeit, in der die refinanzierte Versorgung
weitgehend das Paradigma des Gesundheits- und Sozialwesens darstellt,
wirkt das Betonen kostenfreier Hilfe anachronistisch und herausfordernd
zugleich. Die Reichweite des Evangeliums kann jedoch nicht nur die
Reichweite unserer Refinanzierungssysteme sein. Kosmas und Damian
provozieren zu einer „Kreativität des Umsonst“.
* Erschienen in "Perspektiven 1/2008", S. 6
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